Ein Schullandheimaufenthalt auf Langeoog

Jeweils knapp zwei Wochen ihrer Schulzeit in der Sexta sowie in der Quinta oder Quarta sowie eine Woche in der Untertertia verbringen unsere Schüler nicht im Ratsgymnasium, sondern im Schullandheim auf Langeoog. Auch wenn sie sich dabei vielleicht manchmal wie im Urlaub fühlen mögen, handelt es sich aber vor allem um eine Zeit intensiven Lernens.

Was und wie kann man auf Langeoog lernen?

Zunächst einmal gilt: Die gemeinsame, intensive Erfahrung der Aufenthalte lässt die Schülerinnen und Schüler zu einer echten Klassengemeinschaft zusammenwachsen. Jeder lernt seine Mitschüler (und auch seine Lehrer) in anderen Situationen und aus einer anderen Perspektive kennen.

Neben der Stärkung der Klassengemeinschaft in Klasse 5 folgt in Klasse 6 als soziales Thema die Streitschlichtung und in der Untertertia können Aspekte der Persönlichkeitsstärkung und Suchtprävention thematisiert werden.

Darüber hinaus unterscheiden sich unsere Schullandheimfahrten von „normalen“ Klassenfahrten insofern, als dass im Schullandheim neben aktiver Freizeitgestaltung und dem Erlernen von sozialen Kompetenzen und Alltagsfertigkeiten auch Unterricht stattfinden, in dem fachliche Inhalte aus dem Lehrplan der jeweiligen Fächern vor allem projektorientiert vermittelt werden. Darum nennen wir unser Schullandheim auch gern unsere „pädagogische Außenstelle“.

Wie könnte also ein Tag im Schullandheim aussehen?

Nachdem sich die Schüler aus Zimmer 12, Ben, Nils, Finn und Jakob, nach dem Wecken aus den Betten, die sie zu Beginn des Aufenthalts natürlich selbst bezogen haben, gequält haben, begeben sie sich an den Frühstückstisch, der zuvor von den dafür verantwortlichen MitschülerInnen gedeckt wurde. Nach dem Frühstück müssen alle „Dienste“ erledigt werden, um das Heim sauber zu halten: Der Küchendienst trocknet ab und säubert die Tische, andere MitschülerInnen erledigen das Fegen der Räumlichkeiten sowie die Entsorgung des Mülls und zudem müssen natürlich die Betten gemacht und die Zimmer aufgeräumt werden.

Um ca. 9.30 Uhr kann der projektorientierte Unterricht beginnen, dessen Inhalte von den begleitenden FachlehrerInnen abhängen. Dann läutet die große Schiffsglocke und die Schüler rennen in den Unterrichtsraum.

Spannende Projekte der letzten Jahre waren zum Beispiel das Erarbeiten und Nachspielen der Varusschlacht in den Dünen; das Nachvollziehen des Lebens in der Steinzeit (inklusive der Anfertigung von z.B. Bekleidung, Nahrung, Waffen und „Höhlen“-Malerei). Beim Balladenprojekt mit Balladen rund um das Thema Wasser resultierte die inhaltliche und künstlerische Auseinandersetzung der Schüler und Schülerinnen in Gruppen in einer anschließenden Präsentation in Form von szenischen und musikalischen Vorträgen. Die Auseinandersetzung mit Berufsbildern der Inselbevölkerung ließ die SchülerInnen einer achten Klasse ihre ersten Erfahrungen mit dem Berufsleben machen.

Die Umgebung der Insel ist in und neben den Projekten immer wichtiger Bestandteil des Aufenthaltes. Die Besonderheiten und Wunder der Natur zu sehen, zu erfahren und zu verstehen sowie das respektvolle Umgehen damit, sind uns bei diesen Aufenthalten ein großes Anliegen.

Ben, Nils, Jakob und Finn lesen während ihres Aufenthaltes „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner und sollen selbst zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden. Sie lernen, dass „etwas anders sein“ ganz „normal“ ist. Die Lektüre ist dabei Anlass, um über die eigene Klassensituation und der Situation einzelner SchülerInnen in der Gruppe nachzudenken.

Das Mittagessen um 12.00 Uhr unterbricht die intensive Arbeit. Anschließend gibt es eine Ruhephase, in der Nils sich etwas Ruhe im kuscheligen Bett gönnt, während Ben und Jakob mit einer kleinen Gruppe auf den hauseigenen Fußballplatz gehen und Finn gemeinsam mit anderen im Kunstkeller arbeitet.

Nach einer gemeinsamen „Kaffeepause“ kann am Nachmittag die Zeit wiederum für die Projektarbeit oder für eine aktive Freizeitgestaltung und das Kennenlernen der Insel genutzt werden. Die SchülerInnen erfahren sich in der Gruppe bei Spielen am Strand oder im Haus (z.B. an den Tischtennisplatten), bei (Watt-)Wanderungen, Kutter- und Fahrradfahrten, Rallyes und vielem mehr.

Die Jungen aus Zimmer 12 verbringen den Nachmittag mit der Klasse am Meer und versuchen, ihre Flutburg gegen die heranbrandenden Wassermassen zu verteidigen.

Nach dem Abendessen bieten Großgruppenspiele, Spielerunden, ein Filmabend oder auch eine Party beste Unterhaltung, häufig mit durchgeführt von TutorInnen oder von ehemaligen SchülerInnen, die in Erinnerung an die eigenen Langeoog-Aufenthalte unsere Fahrten immer wieder gerne ehrenamtlich begleiten.

Bevor dann (hoffentlich) geschlafen wird, erfolgt die obligatorische Zimmerrunde, bei der die Lehrer kontrollieren, ob die Zimmer auch aufgeräumt und die Zähne geputzt wurden und oft werden im Rahmen eines kleinen Wettbewerbs Zimmerpunkte für das schönste Zimmer und die hellsten Köpfe vergeben, die sich von den neuen Eindrücken des Tages am meisten gemerkt haben.

Wenn dann am Ende der Fahrt der Bus wieder in Bielefeld eintrifft, sind die SchülerInnen in mehrfacher Hinsicht „gewachsen“: Gewachsen sind die Fähigkeiten, den eigenen Alltag selbständig zu meistern, gewachsen anhand von zahlreichen Eindrücken der Fahrt und zusammengewachsen als Klassengemeinschaft.