Meeresbiologische Exkursionen zur Isola del Giglio

Die Fachschaft Biologie des Ratsgymnasiums führt im Rahmen der Studienfahrten seit 1997 regelmäßig meeresbiologische Exkursionen nach Italien zur Isola del Giglio durch. Ergänzt wird die Zeit auf der Insel durch einige Tage in Rom mit kulturhistorischem Programm. Die Studienfahrt dauert in der Regel 11-13 Tage.

Die Wahl für diese Art der Studienfahrt sowie den Exkursionsort lag darin begründet, dass das Meer als weithin unbekannter und besonders interessanter Lebensraum einen hohen Motivations- und Entdeckungswert besitzt. Daneben war von entscheidender Bedeutung, dass der deutsche Meeresbiologie Dr. Claus Valentin auf der Isola del Giglio eine hervorragend ausgerüstete meeresbiologische Station („Institut für marine Biologie“) mit intensiver und äußerst fachkompetenter Betreuung betreibt. Dadurch besteht die Möglichkeit einer idealen Ergänzung von wissenschaftlich fundierter Theorie und dem praktischen Erleben im (in der Regel wohl temperierten) mediterranen marinen Lebensraum. Weiterhin besitzt das Mittelmeer um die Insel (immer noch) eine hervorragende Wasserqualität.

Die Studienfahrt wird als kursübergreifendes Projekt durchgeführt worden, das in der Regel von den Leistungskurs-Lehrer/innen betreut wird. Neben den bevorzugt berücksichtigten Schülern der Leistungskurse können aber auch Schüler der Grundkurse sowie (vereinzelt) „fachfremde“ Schüler teilnehmen.

Die Vorbereitung für alle Schüler besteht darin, dass exkursionsrelevante Themengebiete allein oder als Kleingruppe erarbeitet und in außerunterrichtlichen Sitzungen (6-8) den Exkursionsteilnehmern vor Antritt der Fahrt vorgestellt werden. Auf diese Weise besitzen einzelne Schüler auf unterschiedlichen Gebieten schon gewisse Kenntnisse und stehen für Fragen zur Verfügung, auf der anderen Seite ist das Wiedererkennen eines zuvor nur theoretisch angeeigneten Sachverhalts in dem natürlichen Lebensraum in besonderem Maße motivationsfördernd. Die jeweiligen Beiträge werden durch neue oder weitergehende Erkenntnisse, die auf der Insel erarbeitet werden, ergänzt und zusammen mit Erlebnissen aus anderen Bereichen nach der Studienfahrt von interessierten Schülern in einem Exkursionsbericht zusammengefasst, der in gebundener Form jedem Exkursionsteilnehmer ausgehändigt wird.

Das fachspezifische Programm auf der Insel besteht aus einem von den Mitarbeitern des IfMB betreuten und einem selbstorganisierten Teil. Im Rahmen des betreuten Teils findet an fünf Tagen eine theoretische und praktische Einführung in die marine Biologie in den gut ausgestatteten Kursräumen des Instituts statt. Dabei stellen die Betreuer systematische oder funktionelle Organismengruppen sowie marine Lebensräume in ihrer Funktion und ökologischen Bedeutung vor.



Anschließend wird jedem Teilnehmer lebendes Untersuchungsmaterial des angesprochenen Bereichs ausgehändigt, dass einzeln oder in Partnerarbeit bestimmt und funktional eingeordnet werden muss. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden den übrigen Exkursionsteilnehmern in Kurzreferaten vorgestellt und fließen auch in den Exkursionsbericht (s.o.) ein. Das Lebendmaterial wird anschließend wieder ausgesetzt.


Anstatt eines „Kursraumtages“ haben wir auch immer gern das Angebot eines geführten Schnorchelganges in Anspruch genommen.



Im Vordergrund des selbstorganisierten Teil steht natürlich die Freilandarbeit, die zwar nicht ausschließlich, aber doch überwiegend darin besteht, die im Kursraum kennen gelernten Lebewesen in ihren natürlichen Lebensräumen zu beobachten. Die dazu notwendigen Schnorchelgänge finden an unterschiedlichen Stellen statt, um die verschiedenen Lebewesen und deren Anpassungen an z.B. Hart- und Weichböden oder Seegraswiesen zu untersuchen. Für Freiwillige besteht auch die Möglichkeit von überwachten Nachtschnorchelgängen. Die dafür notwendige Ausrüstung (Unterwasser-Lampen) kann von der Station unentgeldlich entliehen werden.


Neben den Aktivitäten im Wasser gehören auch eine von Schülerexperten geführte Wanderung durch die mediterrane Macchia der Insel sowie eine Erkundung der mittelalterlichen Stadt Giglio Castello zum Programm.


Ein entscheidender Anteil der Zeit auf der Insel wird durch die Organisation des Zusammenlebens bestimmt. Die Schülerinnen und Schüler sind in kleinen Gruppen in Appartements zu etwa 6 Personen untergebracht. Planung, Vorbereitung und Durchführung der gemeinsamen Mahlzeiten organisieren die Kleingruppen selbständig. Neben den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die Abendmahlzeit – die teilweise auch in der Gesamtgruppe vorbereitet und eingenommen wird – Höhepunkt des Tages. Da in dem Aufenthaltsort Giglio Campese nicht viele Freizeitangebote locken, wird die Freizeit größtenteils in der Gruppe verbracht. Weitere, sich an das Abendessen anschließende Aktivitäten werden an den nahen Strand verlegt, da in den Appartementanlagen die Lärmbelästigung (nach 22.00 Uhr) für die übrigen Feriengäste zu groß wäre.

Die 3 bis 5 Tage in Rom, die aufgrund der relativen geographischen Nähe und der Tatsache, dass die meisten Teilnehmer Latein als erste Fremdsprache gelernt haben, einen integrierter Bestandteil der Studienfahrt darstellen, sollen den Schülerinnen und Schülern einen bleibenden Eindruck dieser imposanten Stadt vermitteln. Wir bewegen uns dabei auf den Spuren der vielfältigen Geschichte der „ewigen Stadt“, in der die imponierenden christlichen und vorchristlichen Bauwerke sowie die zum Verweilen einladenden Plätze und Brunnen immer wieder Bewunderung und Begeisterung bei den Exkursionsteilnehmern hervorrufen. Teilweise stehen uns dabei professionelle „Guides“ mit umfangreichen Kenntnissen und interessanten Anekdoten zur Verfügung Darüber hinaus bleibt aber auch immer wieder Zeit für individuelle Erkundungen und Entdeckungen seitens der Schülerinnen und Schüler.

Klaus Bökamp, Anette Meier-Götte, Kirsten Rottmann