Religiöse Studientage am Ratsgymnasium - Was ist der Mensch?

Die religiösen Studientage werden im Religionsunterricht vorbereitet und bieten unseren Schülerinnen und Schülern in der 10. Jahrgangsstufe die Gelegenheit, im Rahmen eines dreitägigen Besuchs von Weimar und Buchenwald dieser Frage auf der Grundlage eines christlich-humanistisch geprägten Menschenbildes intensiv nachzugehen.

Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Werteerziehung, die das Ratsgymnasium entsprechend seiner Schultradition als wesentliche Aufgabe seiner pädagogischen Arbeit ansieht.

Auf dem Weg nach Buchenwald liegt die Wewelsburg, die nach den Vorstellungen der SS als zentrale Kultstätte neuer „Mittelpunkt der Welt“ werden sollte. Der Besuch dieses Ortes und die Auseinandersetzung mit den pseudoreligiösen Ideen der SS bereiten den Besuch Buchenwalds in sinnvoller Weise vor, wo einem die Folgen dieser Vorstellungen nachdrücklich vor Augen geführt werden.

 

Goethe und Schiller – sie verkörpern die große Tradition deutschen Geisteslebens...

 

Dass die Schülerinnen und Schüler auch einen Eindruck von Weimar als ehemaligem Zentrum deutscher Kultur erhalten, versteht sich von selbst, ist doch nirgendwo die Ambivalenz menschlichen Seins so greifbar wie an diesem Ort. Die Voraussetzungen hierfür sind denkbar günstig, sind wir doch direkt in der am Park an der Ilm gelegenen neuerbauten europäischen Jugendbildungsstätte untergebracht.

 

Am Eingangstor des Lagers Buchenwald...

 

Modell des Lagers, das auch nach 1945 – unter stalinistischen Vorzeichen – weiterbetrieben wurde.

 

Im Angesicht des Krematoriums: der Zoo, wo SS-Leute vor den Augen der hungernden Häftlinge die Tiere mit Bananen und Schokolade fütterten.

 

Äußerungen von Schülerinnen und Schülern:

„Dass der Mensch nicht vollkommen ist, war mir bewusst. Ich habe mir beim Besuch von Buchenwald aber immer wieder die Frage gestellt, wie Menschen zu solch sadistischen Grausamkeiten, die jede Vorstellungskraft übersteigen, fähig sein können und sich dabei nicht einmal schuldig fühlen!“

„Gerade hier in Weimar und Buchenwald wird einem die Vielfalt menschlicher Möglichkeiten zwischen „Genie“ und „Bestie“ bewusst. Es wird einem deutlich vor Augen geführt, wie leicht sich Menschen manipulieren lassen. Und dennoch: wir werden wohl nie wirklich verstehen, wie so etwas Schreckliches passieren konnte!“

„Mir ist bewusst geworden, dass die völlige Abstumpfung der Gefühle des Menschen möglich ist, dass das Böse zur Normalität werden kann, wenn Menschen haltlos geworden sind. Wenn es eine Hölle gibt, dann auf Erden! Die Zivilcourage aber eines Mannes wie Pfarrer Paul Schneider ist einfach bewundernswert!“

„Es sagt sich so leicht, dass die nachfolgenden Generationen – also auch wir – die Verantwortung dafür tragen, dass so etwas nie wieder geschieht. Dabei passieren an vielen anderen Stellen der Welt Grausamkeiten, die kaum einer wahr haben will!“

„Ich glaube, dass uns diese Fahrt für die Zukunft geprägt hat und wir unglaublich viel mitgenommen haben, z.B., dass die Würde des Menschen das Höchste aller Güter ist und bleiben muss.“

Empfehlenswert ist der Link zur Buchenwald-Homepage: http://www.buchenwald.de

Sebastian Reichelt