Mein Weg unter die Top 10 Deutschlands: Ein Erfahrungsbericht von der Bundesebene „Jugend debattiert“
Von Moritz Braune (Klasse 10b)
Was im Winter als schulinterner Wettbewerb am Ratsgymnasium begann, entwickelte sich für mich in den letzten Monaten zu einer intensiven und unvergesslichen Reise. Nach dem Sieg im Schulwettebwerb, meinem zweiten Platz auf Regionalebene in Detmold und der Landesqualifikation in Bochum stand ich unverhofft im NRW-Landesfinale. Das Thema des Finales im Düsseldorfer Landtag– ob Handys zu Beginn des Schultages eingesammelt werden sollten – war relativ eng gefasst und führte zu einer etwas einseitigen Debatte, aber die Leistung genügte und sicherte mir am Ende das Ticket für die Bundesebene.
Vor den Finaltagen in Berlin ging es Ende Mai zum Landessieger-Seminar auf die Burg Rothenfels nach Bayern, wo die jeweils zwei besten Debattierenden aus allen Bundesländern und beiden Altersgruppen zusammenkamen. Beim anspruchsvollen Rhetorik-Training und geselligen Aktionen wie dem „Bunten Abend“ – bei welchem wir als Team NRW ein Comedy-Programm aufführten, an dem sich die Geister noch immer scheiden – entstanden echte Freundschaften, unter anderem mit Niklas aus NRW und Fabian aus Bayern.
Anfang Juni wurde es dann ernst. Direkt nach meiner letzten MINT-Arbeit ging es mit dem Zug nach Berlin. Dort angekommen liefen Fabian und ich erstmal anderthalb Stunden zu Fuß über den Alexanderplatz zum Hotel, um den Kopf freizubekommen. Am Freitag standen die beiden Qualifikationsrunden, aus deren Punktsumme die Finalteilnehmer ermittelt werden sollten, an. Vormittags ging es um die Frage der Wiedereinführung von autofreien Sonntagen und nachmittags stand die Entkriminalisierung des Containerns zur Debatte. Die Debatten wurden auf hohem Niveau geführt und schon aus dem Siegerseminar wusste ich, dass es starke Mitstreiter auch in den parallelen Debatten gab. In der ersten Debatte konnte ich meine Argumente gut platzieren, die zweite lief für mich nicht ganz so überragend, war aber solide.
Um 17 Uhr stieg die Spannung bei der Siegerehrung. Als klar war, dass es nicht für die Top 4 im Finale gereicht hatte, fiel mir, ehrlich gesagt, auch ein Stein vom Herzen, denn die riesige Bühne hätte nochmal wahnsinnigen Stress bedeutet. Als die Plätze 5 und 6 verlesen wurden und mein Name immer noch fehlte, kam doch kurz Enttäuschung auf, da ich den Alumni-Club und das Siegerwochenende in Thüringen bis auf Weiteres verpasste. Die Detail-Liste zeigte aber im Nachhinein, dass ich hauchdünn punktgleich mit dem sechsten Platz war. Entscheidend war wohl die „Gesprächsfähigkeit“.
Lange hielt die Enttäuschung jedoch nicht an und abends zogen wir los, um Burger in einem hippen Berliner Lokal zu essen. Am Samstag schauten wir uns dann das große Finale im Axica am Brandenburger Tor an, bei welchem Herrn Pauly besonders die fehlenden Pauschalisierungen gefielen, bevor es mit eben diesem zurück nach Bielefeld ging. Ich war selten so ermattet und schlief glücklich ein. Am Ende überwiegt ganz klar der Stolz: Platz 7 in ganz Deutschland bei weit über 200.000 Gestarteten ist ein toller Erfolg, für den ich mich auch bei Herrn Pauly, dem Debattierclub und meinen Eltern bedanken möchte!