Mit dem Wetterballon in die Stratosphäre – unser MINT-Projekt hebt ab!
Am 7. Oktober 2026 startete unser selbst gebauter Wetterballon zu einer Reise in rund 36 Kilometer Höhe. Die Schülerinnen und Schüler der MINT-Kurse der Jahrgangsstufe 10 hatten das Projekt seit Beginn des Schuljahres geplant und vorbereitet. Das Ergebnis: spektakuläre Aufnahmen unserer Erde und spannende wissenschaftliche Experimente.
Das wichtigste Missionsziel war klar: Wir wollten die Erde aus der Stratosphäre filmen und gleichzeitig Messdaten aus dieser außergewöhnlichen Umgebung sammeln. Beides gelang zumindest teilweise. Die Kamera lieferte beeindruckende Aufnahmen aus großer Höhe, während verschiedene Experimente und Messgeräte die Bedingungen während des Fluges untersuchen sollten.
Blick aus der Onboard Kamera aus 36 km Höhe
Von der Planung bis zum Sondenbau
Bevor der Ballon starten konnte, gab es viel zu tun. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich mit den rechtlichen Voraussetzungen, den erforderlichen Genehmigungen und den physikalischen Grundlagen des Fluges.
Wie verändern sich Temperatur und Luftdruck mit zunehmender Höhe? Warum sinkt die Temperatur zunächst auf etwa −60 °C und steigt in der Stratosphäre wieder an? Welche Rolle spielt dabei die Ozonschicht?
Auch die benötigte Gasmenge musste berechnet werden. Für unsere etwa 1.500 Gramm schwere Nutzlast ergab sich ein Bedarf von rund 4.480 Litern Ballongas. Dafür standen eine 20-Liter- und eine 10-Liter-Gasflasche mit jeweils 200 bar zur Verfügung.
In einem Sondenbau-Workshop entwickelten sechs Teams aus beiden Kursen eigene Styroporsonden. Diese mussten die empfindliche Technik vor der extremen Kälte schützen und zugleich stabil genug für die Landung am Fallschirm sein. Eine Jury aus drei Lehrkräften bewertete die Entwürfe nach praktischen und gestalterischen Kriterien. Die überzeugendste Sonde wurde für den Flug ausgewählt.
Workshop zum Bau der Stratosphärensonde
Experimente und Technik an Bord
In der Sonde befanden sich eine Action-Kamera, GPS-Tracker zur Ortung, ein Datenlogger sowie zwei Cosmic-Watch-Detektoren zur Untersuchung der kosmischen Strahlung. Die Stromversorgung der Geräte musste sorgfältig geplant und getestet werden.
Neben den Messungen der Außentemperatur, der Innentemperatur und des Luftdrucks waren zwei wissenschaftliche Experimente vorgesehen:
- Kosmische Strahlung: Der Physik-Leistungskurs bereitete ein Experiment mit Cosmic-Watch-Detektoren vor. Damit sollte untersucht werden, wie sich die kosmische Strahlung mit zunehmender Höhe verändert.
- UV-Strahlung und Sonnencreme: An der Außenseite der Sonde wurden UV-Perlen angebracht. Diese verfärben sich unter ultravioletter Strahlung. Durch die Behandlung mit Sonnencremes unterschiedlicher Schutzstärken sollte deren Wirkung untersucht werden.
So verband das Projekt Physik, Informatik und Technik mit praktischer Forschungsarbeit.

Datenlogger, GPS-Module und Messgeräte in der Sonde
Unterstützung für die Mission
In diesem Jahr führten wir den Stratosphärenflug erstmals ohne externen Dienstleister durch. Dabei nutzten wir Materialien, Anleitungen und eine speziell für solche Projekte entwickelte App der Firma Stratoflights, mit der wir bereits früher erfolgreich zusammengearbeitet hatten.
Die Finanzierung wurde durch die Unterstützung der CLAAS Stiftung über den CLAAS Zukunftsfonds ermöglicht. Zwei Cosmic-Watch-Detektoren erhielten wir als Leihgabe von der Universität Bonn beziehungsweise dem Forschungszentrum für Teilchendetektion.
Ein herzlicher Dank gilt allen Unterstützern und Partnern, die dieses Projekt ermöglicht haben!
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Start frei!
Besonders spannend war die Wettervorhersage. Die Höhenwinde bestimmen maßgeblich, wohin der Ballon getragen wird und wo die Sonde schließlich landet. Unser Mission-Control-Team berechnete einen voraussichtlichen Landeort in der Nähe von Bad Münder, rund 90 Kilometer Luftlinie vom Startplatz entfernt.
Am Starttag begleiteten Radio Bielefeld und der WDR unsere Mission. Nach der Startfreigabe durch den Flughafen Bielefeld hob der Ballon pünktlich um 9:30 Uhr ab.

Kurz vor dem Start des Ballons
Während der Ballon immer höher stieg, verfolgte das Mission-Control-Team die Flugroute mithilfe der GPS-Tracker. Etwa alle fünf Minuten übermittelte der Satellitentracker die aktuelle Position. Die tatsächliche Route verlief etwas weiter nördlich als vorhergesagt, doch Flugdauer und zurückgelegte Entfernung stimmten erstaunlich gut mit unseren Berechnungen überein.
Auch die Medien berichteten über das Projekt: Radio Bielefeld veröffentlichte einen Radiobeitrag und einen Bericht auf seiner Homepage. Der WDR griff das Vorhaben ebenfalls auf und zeigte in der Lokalzeit OWL bereits erste Videoaufnahmen aus der Sonde.

Erfolgreiche Bergung – mit kleinen technischen Problemen
Nachdem sich die Positionsdaten nicht mehr verändert hatten, machte sich das Bergungsteam von Eimbeckhausen aus auf den Weg zum vermuteten Landeort. Die Sonde war in einem Maisfeld gelandet und konnte erfolgreich geborgen werden.
Die Erleichterung war groß: Die Kamera hatte den Flug dokumentiert, und die Sonde war wieder sicher am Boden.

Das Bergungsteam auf dem Weg zum Landeort
Wie geht es weiter?
Nach den Herbstferien werden die Schülerinnen und Schüler eine MINT-Arbeit über das gesamte Projekt verfassen. Dabei sollen die verfügbaren Messdaten ausgewertet, die Videoaufnahmen untersucht und die Ergebnisse mit den theoretischen Erwartungen verglichen werden.
Der Stratosphärenflug hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielseitig MINT-Unterricht sein kann: Von der ersten Idee über Berechnungen und Konstruktion bis hin zu echten Experimenten und wissenschaftlicher Datenauswertung konnten die Schülerinnen und Schüler selbstständig forschen und praktische Erfahrungen sammeln.
Wir bedanken uns bei allen beteiligten Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Unterstützern und Partnern. Der Blick aus 36 Kilometern Höhe wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben!
Wir bedanken uns bei allen beteiligten Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Unterstützern und Partnern. Der Blick aus 36 Kilometern Höhe wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben!
Dirk Bormann, Jesse Simon


