„Dem Gedächtnis auf der Spur“ mit Hans J. Markowitsch

„Dem Gedächtnis auf der Spur“ mit Hans J. Markowitsch

Eine Abiturvorbereituung der besonderen Art – Gedächtnispsychologe Hans J. Markowitsch zu Gast im Ratsgymnasium

Vortrag Markowitsch 2Die „Gedächtnismodelle nach Markowitsch“ werden die Schülerinnen und Schüler der Biologiekurse in der Abiturvorbereitung 2017 und in den nächsten Jahren beschäftigen. Wer kann sie besser erklären als der „Erfinder“ selbst? Dieser Idee der Fachschaft Biologie folgend hat der Förderverein des Ratsgymnasiums anlässlich der Feier seines 30-jährigen Gründungstages Prof. Markowitsch zu einem Vortrag „Gedächtnis und Hirnplastizität“ eingeladen.

Das Gedächtnis ist beim Menschen vermutlich am höchsten entwickelt. Es wird heutzutage nicht nur in Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis, sondern in fünf Untersysteme unterteilt, die teilweise für uns unbewusst, teilweise bewusst Informationen verarbeiten. Das autobiographische Gedächtnis ist vernetzt mit unserer Gefühlswelt. Es erlaubt uns mentale „Zeitreisen“ und sein Ausfall macht sich besonders gravierend bemerkbar. Als Beispiel wurde ein Alzheimer Patient genannt, der ohne Probleme Auto fahren konnte (unbewusstes Gedächtnis für mechanische Fähigkeiten intakt), aber keine Erinnerung an sein früheres Leben hat (Verlust des autobiographischen Gedächtnisses). Wo etwas im Gehirn passiert, hat Prof. Markowitsch dank der neuen bildgebenden Verfahren an vielen Beispielen sichtbar gemacht.Vortrag Markowitsch 3

Das Untersystem Priming (Bahnung) erhöht die Wahrscheinlichkeit des Wiedererkennens. Dieses wird in der Werbung bei dem Prinzip zweier mit Pause aufeinanderfolgender Werbeblöcke genutzt. Der erste Werbeblock zieht unbewusst am Zuhörer vorbei, hinterlässt aber bereits im Priming-System Spuren. Die Werbewiederholung holt die Werbung in eine Bewusstseinsstufe. Man erinnert sich an das Produkt.

Übrigens – nach Prof. Markowitsch muss auch eine Vokabel mehrfach – ca. 50-mal – zirkulieren, bis sie permanent abrufbar verankert ist. Auch andere Lerninhalte müssen eben häufiger „wiederholt“ werden.

Der Vortrag endete mit etlichen interessierten Nachfragen, auf die Prof. Markowitsch natürlich keine Antwort schuldig blieb. Ein informativer Abend für alle Anwesenden und – eine Jubiläumseinladung des Fördervereins, die den jetzigen und künftigen Abiturientinnen und Abiturienten direkt zugutekommt. Herzlichen Dank!

H. Biermann